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War Q3 für die größten Online-Marktplätze wirklich so enttäuschend?

VERÖFFENTLICHT
MAR 02, 2026 - 5 MIN LESEN
War Q3 für die größten Online-Marktplätze wirklich so enttäuschend?

Nach und nach veröffentlichen die börsennotierten Online-Marktplätze ihre Ergebnisse aus dem 3. Quartal 2021. Alle großen Player sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter gewachsen – trotz der erhöhten Konkurrenz durch den wiedereröffneten stationären Handel und aktuellen Lieferschwierigkeiten. Auf Amazons Zahlen gehen wir in den News und im Kommentar im Detail ein. A propos stationärer Handel: Insidern zufolge plant Amazon in seinen Stores einen neuen Coup mit dem Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Laut Umfragen wird der E-Commerce-Riese es im anstehenden Weihnachtsgeschäft in Deutschland jedoch schwer haben, gegen die Offline-Konkurrenz anzukommen. Die Briten hingegen wollen das Christmas Shopping dieses Jahr teilweise komplett ins Internet verlegen.

Updates: Amazon & Online-Marktplätze

Amazon wächst in Q3 2021 um 15%

Amazon hat seine Q3-Ergebnisse veröffentlicht – und wächst trotz aller aktuellen Herausforderungen im E-Commerce konstant weiter: Die Umsätze stiegen in Q3 2021 um 15% im Vergleich zum (sehr starken) Vorjahresquartal auf 110,8 Mrd. $. Auch im Advertising-Bereich lag der Umsatz um 49% über Q3 2020. Experten hatten jedoch mehr erwartet, weshalb Amazons Aktienkurs nach Verkündung der Ergebnisse kurzzeitig sank. Hannes Detjen teilt seine persönliche Einschätzung der Zahlen in seinem Kommentar weiter unten in dieser Ausgabe unseres Newsletters.

Verkauft Amazon bald verschreibungspflichtige Medikamente offline?

Gerüchten zufolge plant Amazon, in seinen kassenlosen “Amazon Go”-Stores in den USA demnächst verschreibungspflichtige Medikamente und Lottoscheine zu verkaufen. Damit sollen mehr Kunden in die stationären Läden gelockt werden. Gerade für den Medikamentenverkauf als Erweiterung der Amazon Pharmacy gibt es jedoch einige rechtliche Vorgaben, deren Einhaltung das Projekt erschwert.

Allegro will osteuropäischen Marktplatz aufbauen

Polens marktbeherrschende E-Commerce-Plattform Allegro will seinen tschechischen Konkurrenten Mall Group für 1 Mrd. $ übernehmen. Damit will sich das Unternehmen internationaler aufstellen, während die Konkurrenz im Heimatland durch Amazon zunimmt. Allegro will die Mall Group, die in Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Slowakei aktiv ist, zum Marktplatz ausbauen. Außerdem soll der Vorteil der lokalen Expertise (z.B. in der Logistik) genutzt werden.

Ebay führt Sponsored Advertising ein

Vor Kurzem haben wir berichtet, dass viele US-Retailer Amazons Search Advertising kopieren – jetzt testet auch Online-Marktplatz Ebay “erweiterte Anzeigen”. Die Ads können nur von aktuellen Verkäufern mit dem Servicestatus “überdurchschnittlich” oder Top-Bewertung genutzt werden. Ebay verspricht damit den Zugang zu Platz 1 der Suchergebnisseite. Festgelegt wird ein Tagesbudget, aus dem die Ads anschließend per CPC abgerechnet werden.

Weitere Quartalsergebnisse: Ebay und Etsy

Der Umsatz von Ebay stieg in Q3 2021 trotz der wiedererstarkten Konkurrenz aus dem stationären Handel um 11% Year-over-Year (YoY) auf 2,5 Mrd. $. Dabei profitierte der Online-Marktplatz vermutlich vom Trend zu Second-Hand-Ware. Auch DIY-Marktplatz Etsy macht Ebay zunehmend Konkurrenz und konnte seinen Umsatz in Q3 um 18% YoY steigern, am stärksten wuchsen dabei die Kategorien Home & Living und Schmuck.

OTTO startet eigene Live-Shopping-Show

Der aus China stammende Trend zum Shopping via Livestream schwappt immer mehr nach Europa. Was in Asien bekanntlich sehr erfolgreich funktioniert, testet nun auch der deutsche Online-Marktplatz OTTO mittels einer eigenen Live-Show. Darin werden Produkte vorgestellt und Chat-Fragen von Kunden beantwortet. Die präsentierten Artikel können direkt gekauft werden. Mit 32.000 Zuschauern und durchschnittlich 6 Min. Viewtime in der ersten “Shopping Show” war OTTO nach eigener Aussage zufrieden.

Walmart nutzt fahrerlose Lieferwagen

Autonomes Fahren im Test: Walmart teilte am Montag mit, dass das Unternehmen fahrerlose Lastwagen für die Auslieferung von Paketen in seinem Heimatbundesstaat Arkansas einsetzt. Seit Ende 2020 arbeitet der Einzelhändler an dem Programm und hofft, dass der Einsatz von fahrerlosen LKW dazu beiträgt, die durch den Arbeitskräftemangel verursachten Probleme in der Lieferkette zu lösen. Auch Amazon arbeitet aktuell an einer Lösung für die fahrerlose Paketzustellung.

Updates: E-Commerce

Maersk macht Amazon FBA Konkurrenz

Der dänische Frachtschiff-Riese Maersk hat kürzlich das Logistikunternehmen Visible gekauft, welches in den USA neun E-Commerce-Fulfilment-Zentren betreibt. Mit dem Kauf will Maersk eine Lieferkette aufbauen, die die eigene Containerschiff-Flotte mit der Lagerkompetenz des US-Unternehmens verbindet und so einen Service vom Hafen zur Haustür bietet. So sollen innerhalb von zwei Tagen 95% der US-Haushalte beliefert werden können. Mit diesem Angebot macht Maersk Amazons FBA-Programm Konkurrenz.

Weihnachtseinkäufe in Deutschland eher offline – in UK online

78% der Deutschen wollen ihre Weihnachtseinkäufe im Geschäft erledigen. Das ergab eine Verbraucherstudie von Yahoo und YouGov. Nach anderthalb Jahren Covid-Pandemie haben 35% der Befragten Sehnsucht nach einem physischen Einkaufserlebnis. Anders sieht es in Großbritannien aus: Dort planen laut einer Umfrage von Yodel 31% der Befragten, Geschenke ausschließlich online zu kaufen.

Jede 7. Online-Bestellung wird zurückgeschickt

Einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zufolge liegt die aktuelle Retourenquote von Online-Bestellungen in Deutschland bei 15%. Fast jeder zweite Online-Händler sieht dadurch sein Geschäft belastet. Eine mögliche Lösung: digitale Technologien, die Kunden bei der Kaufentscheidung und Händler bei der Analyse der Retourengründe unterstützen können. Auf Amazon empfehlen wir zur Senkung der Retourenrate ausführliche Produktbeschreibungen und das Erstellen von A+ Content.

Das finden wir wichtig

In Amazons Advertising-Konsole gibt es ein “Diagnostik-Hub” zur Problembehebung. Dort werden auf Kampagnenebene Empfehlungen zur Optimierung gegeben. Unseren ersten Tests nach ist das Hub aber für Amazon-Experten nur begrenzt nützlich – vermutlich richtet es sich mit seinen Lösungsvorschlägen eher an Advertising-Anfänger.

Kommentar: Amazons Q3-Ergebnisse

Hannes Detjen, Managing Director

Amazon hat vor knapp zwei Wochen seine Zahlen für das dritte Quartal 2021 veröffentlicht: Der Umsatz in Q3 lag bei 110,8 Mrd. $, was einem Wachstum von 15% im Jahresvergleich entspricht. Experten hatten mit einem Umsatzwachstum von 16% gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 111,8 Mrd. $ gerechnet. Aus diesem Grund fiel die Aktie zwischenzeitlich um 4%.

Amazons Werbeeinnahmen in Q3 betrugen 8,1 Mrd. $. Die Wachstumsrate hat sich verringert, aber es ist immer noch eine beeindruckende Wachstumsrate von 49% im Vergleich zum Vorjahr.

Wir sehen also insgesamt ein leicht verlangsamtes Wachstum. Dennoch ist es beeindruckend, dass Amazon überhaupt in diesem Maße weiter wächst, wenn man Faktoren wie das pandemie-bedingte, sehr starke Jahr 2020 und die aktuellen globalen Lieferkettenprobleme berücksichtigt.

Darüber hinaus übertraf der Umsatz von Amazon Services zum ersten Mal die Einzelhandelsumsätze: Die Nettoproduktverkäufe betrugen 54,9 Mrd. $, die Einnahmen von Amazon Services (z.B. Advertising, Amazon Web Services, 3P Services und Prime) lagen bei insgesamt 55,9 Mrd. $.

Remdash: Suppressed ASINs

Mit Remdash können sogenannte “Suppressed ASINs” identifiziert werden – also Produkte, die diesen Kriterien entsprechen:

  • es gibt für das Produkt einen verfügbaren Bestand, der in Brand Analytics angezeigt wird

  • in der Buybox wird das Produkt als “Vorübergehend nicht auf Lager” oder “derzeit nicht verfügbar” angezeigt

Top 5 Amazon Keywords

Dies sind die Top 5 meistgesuchten Keywords nach Ländern vom 31. Oktober bis 06. November 2021.

Auf allen Amazon-Marktplätzen bereiten sich die Kunden nun bereits fleißig auf Weihnachten vor: Adventskalender und Weihnachtsdekoration stehen hoch im Kurs bei den Suchanfragen. Italienische Amazon-Nutzer schauen bereits nach Black Friday-Angeboten. In Spanien hingegen haben viele Einwohner Angst vor gerüchteweise drohenden Stromausfällen.